brand eins. "10 bis 15 Prozent des gesamten Anzeigenumsatzes machen die Sex-Annoncen aus – bei der kieznahen »Hamburger Morgenpost« (»Mopo«) sollen es in manchen Jahren sogar 20 Prozent gewesen sein. Im WM-Jahr versprechen sich die Zeitungsverlage einen wahren Boom der Sex-Annoncen, schließlich sind frustrierte wie euphorisierte Fußballtouristen für Prostituierte eine interessante Klientel. Im Sportteil stehen die Anzeigen ohnehin schon, da dessen Leserschaft überwiegend männlich ist. „Wir müssen die Nutten von den Hausfrauen fern halten“, sagt ein Verlagsmanager.
Die Verlage gehen mit dem guten Geschäft am liebsten verschwiegen um, denn nicht selten stehen die Sex-Anzeigen in krassem Gegensatz zum Sittenwächtertum, das manche Boulevardzeitung in ihrem redaktionellen Inhalt pflegt. Wenn die »Bild«-Zeitung etwa ausführlich über ihre Volks-Bibel berichtet und den Besuch des Chefredakteurs beim Papst feiert, passen die Anzeigen für „Polinnen billig & willig“ nicht wirklich dazu. Besonders auffällig war die Diskrepanz, als der TV-Moderator Michel Friedman am Pranger stand, weil er gekokst hatte und sich von illegal operierenden Menschenhändlern Frauen zuführen ließ. Auf der Titelseite brachen die Boulevardblätter empört den Stab über Friedman, während im Kleinanzeigenteil genau jene „ukrainischen Modelle“ ihre Dienste anboten, um die es im anschließenden Strafprozess ging. Aber solange sich diese Bigotterie gut rechnet, geht das eben. Genauso wie die selbstjustizaffine „Kopf-ab“-Berichterstattung über Sexualstraftäter und das gleichzeitige Abbilden möglichst vieler nackter Frauen." W...er